Robert die Tonne über das Fundament des Neids

[…] es führt zu Kraftblockaden, bestenfalls, schlimmstenfalls entstehen in sich geschlossene Systeme, Gordische Knoten der inneren gesellschaftlichen Zersetzung, wenn du verstehst, was ich meine. Ich hab ja keine Ahnung, wie es da drinnen bei euch aussieht. Vermutlich wie in jedem anderen Bürogebäude auch: eine Aufreihung von Zimmerchen, in denen kleine Menschchen sitzen, die ihren Posten mehr oder weniger verteidigen müssen und die nur dann bereit sind, ihren Posten aufzugeben, wenn sie ein Stockwerk höher rücken in der Hierarchie. Derart gestrickt ist die ganze Welt. Machtkasten an Machtkasten, in dem ein winziger, menschlicher Motor sitzt, der Energie verbraucht, der Kraft ausübt. Nur, dass die Kraft in eurem Megakasten nicht in Bewegung umgesetzt wird. Kollektiv tretet ihr auf der Stelle und all die schöne Energie, die ihr aufbringt und mit der man Wunderbares leisten könnte, verpufft im Nichts des Machterhalts. Typen wie ich und du sind doch in dem Getriebe völlig egal. Wir sind Warnung und Beruhigung zugleich. Seht nur, der da unten in seinem Kellerloch, wie er vor sich hin rottet. Pass auf, dass du mal nicht so endest, wie der Backstagefuzzie, Depp der Hotvollee, Marionette vollgekokster Bühnenstars. Was machst du denn im Backstage? Häppchen servieren, Wünsche aus den Hirnen lesen, Dreckweg! Gibs zu, so denken sie: bloß nicht absacken, bloß keine Blöße, bloß nicht verlieren. Die meiste Kraft wendet der moderne Mensch dafür auf, seine beschissene Lage zu stabilisieren. Und du? Wie tickst du? Gehörst du zu denen, die aufatmen, wenn sie meinesgleichen sehen und sich sagen, puh, Mannomann, hab ich Glück, dass ich nicht so runtergekommen bin? […] Sei dir gewiss, es kann ganz schnell gehen. Ein falscher Schritt und du bist wieder draußen auf dem Markt und von dort ist der Weg zu uns eine breite ausgelatschte Piste gegen die komplizierte Kletterei da hoch (Robert die Tonne zeigt mit dem Kinn zur Bürgermeisterkanzel an der höchsten Stelle des Rathauses).